Ausgabe 9/2018

Dieser Ausgabe der AeroRevue ist die Sonderausgabe «Beruf Pilot» beigelegt. Aus gutem Grund: Weltweit herrscht ein Mangel an qualifizierten Piloten. Das prognostizierte Luftverkehrswachstum
und damit verbunden der Anstieg der weltweiten Flugzeugflotte wird in den nächsten 20 Jahren laut aktuellen Studien zu einem Bedarf an 635 000 neuen Verkehrspiloten führen, 146 000 davon in Europa. Nicht eingerechnet: die Geschäftsluftfahrt. Dafür sieht Boeing einen Bedarf von 96 000 Piloten, für den Bereich Helikopter weitere 59 000. Im Magazin «Rundschau» der Pilotenverbände Aeropers und SwissAlpa titelte Dominik Haug seinen Beitrag zur aktuellen Situation mit «Piloten – von Massen- zur Mangelware».

Für unser Land ist es von existenzieller Bedeutung, zur Aufrechterhaltung eines funktionierenden Luftverkehrs auf qualifizierte, hervorragend ausgebildete Fachkräfte hiesiger Provenienz zurückgreifen zu können. Passagiere vertrauen darauf, dass die Piloten ihren Job professionell erledigen und das Flugzeug sicher zum Ziel fliegen. Konnte man in den letzten Jahren den Bedarf mit Zuwanderung noch abdecken, stellt sich angesichts des länderübergreifenden Pilotenmangels nun die Frage: Wer soll künftig die Flugzeuge mit Schweizer Kreuz am Heck noch pilotieren, wenn auch der Nachwuchs fehlt?

Fluggesellschaften wissen: fehlende Crews könnten dereinst ihr Wachstum hemmen. Deshalb haben einige begonnen, die Rahmenbedingungen für eine Ausbildung attraktiver zu gestalten im Wissen darum, dass der Bewerbermarkt heute anspruchsvoll ist. Pilot ist nur ein möglicher von vielen Berufen. Wer künftig beim Werben um die besten Talente mithalten will, muss mehr bieten. Flugschulen und Fluggesellschaften tun deshalb gut daran, sich und ihr Angebot für den Nachwuchs attraktiver zu machen.

Ich bin überzeugt: Der Wunsch, Pilot zu werden, ist bei vielen jungen Menschen nach wie vor vorhanden. Ist der Beruf erstrebenswert und sind die Arbeitsbedingungen interessant, kommt auch der Nachwuchs wieder. Nur muss dann möglicherweise auch der Anbieter das Assessment des Kandidaten überstehen...

Jürg Wyss
Chefredaktor

Special - Beruf Pilot

Ja, man erinnert sich ein Leben lang an sie, an jene Momente, die sich tief in das Gedächtnis eines Piloten einbrennen. Etwa wenn man spürt, wie das Flugzeug auf die ersten eigenen, noch zaghaften Steuerbewegungen reagiert. Oder das überwältigende Erlebnis des ersten Alleinfluges. Sie lösen einmalige und unvergleichliche Gefühle aus. Unvergesslich auch der erste Navigationsflug, allein im Cockpit, auf sich selber angewiesen, ohne Fluglehrer an der Seite. Fragen Sie einen Piloten, was ihm die Fliegerei bietet. Er wird viel zu erzählen wissen: Erlebnisse, Geschichten, Momente, die exakt jene Faszination ausdrücken, wovon viele Menschen träumen. Abheben, die Erde verlassen, den Himmel erobern, die Welt von oben betrachten, losgelöst von allem Irdischen. Das ist Fliegen.

Doch Fliegen ist mehr. Fliegen fordert auch heraus. Piloten, egal auf welcher Stufe, müssen entscheiden und verantworten. Verlangt sind Konsequenz und Flexibilität, Disziplin und Zuverlässigkeit, Grenzen zu erkennen und Fähigkeiten und Kenntnisse auch unter erschwerten Bedingungen und in Notfällen richtig anzuwenden. Heroismus, Furchtlosigkeit, Kühnheit, Wagemut hingegen haben beim Fliegen keinen Platz. Notwendig sind eine richtige Einstellung und das Streben nach optimaler Leistung zu jeder Zeit. Einen guten Piloten zeichnet aus, dass er mögliche Gefahren durch Voraussicht und ständiges Aufrechterhalten des Situationsbewusstseins antizipiert. Er plant voraus, berücksichtigt mögliche Gefahren und setzt Prioritäten. «Good airmanship» zeichnet einen Piloten aus.

Fliegen vermittelt Freude und Befriedigung. Technik und Natur lassen sich im Einklang erleben. Weiterführende Ausbildungen wie Kunstflug, Gletscherflug, Navigationsflüge ins Ausland oder gar Instrumentenflug bieten Privatpiloten neue Herausforderungen, erweitern den Horizont. Segelflugpiloten wiederum erfahren sportliche, mentale Herausforderungen. Mit der Natur und ohne Motorenhilfe möglichst schnell oder möglichst lange zu fliegen, bedeutet Höchstleistungen zu erbringen.

In der Freizeit zu fliegen ist das eine. Wer mehr will, macht sich das Fliegen zum Beruf. Die Anforderungen im heutigen wirtschaftlichen Umfeld und bedingt durch die technologischen Fortschritte in der Flugzeugführung haben sich im Vergleich zu früher verändert. Geblieben ist die Tatsache, dass die spannende Aufgabe für Generalisten mit hoher Sozialkompetenz nach wie vor Abwechslung und unzählige Herausforderungen bietet. Nein, einen Sonderstatus geniessen Piloten in der heutigen Zeit kaum mehr. Was sie indes leisten, verdient nach wie vor Anerkennung. Vor allem aber haben wohl alle Piloten eines gemeinsam: Sie fliegen fürs Leben gern. Ihr Privileg ist es, diese Leidenschaft Tag für Tag im Beruf erleben zu können.

Fliegen, ob in der Freizeit oder als Beruf, muss kein lebenslanger Traum bleiben. Ihn Realität werden zu lassen bedingt ein hohes persönliches Engagement. Und wenn anfangs die Realität auch fern schien: Tausende haben es geschafft. Ihr erster Schritt nach vorne, ins Cockpit eines Flugzeugs, begann mit dem Glauben an sich selbst und der persönlichen Überzeugung: Ich kann es schaffen! Davon zeugen auch die Pilotenporträts in dieser Sonderausgabe. Sie stehen stellvertretend für zahlreiche Beispiele spannender und faszinierender Pilotenkarrieren. Ihnen ist eines gemeinsam: Sie wollen fliegen, einfach nur fliegen. Der Entscheid zur Ausbildung zum Piloten hat es ihnen möglich gemacht.

Jürg Wyss
Chefredaktor

Ausgabe 7-8/2018

An den letzten Wochenenden hat sich die Schweizer Aviatik einmal mehr von ihrer besten Seite gezeigt. Die Flugtage zum Jubiläum des idyllisch auf einer Jura-Anhöhe gelegenen Flugplatzes Fricktal-Schupfart beispielsweise waren ein sympathisches, fast schon familiäres Fliegerfest. Die engagierten Fricktaler Aviatiker profilierten sich dabei mit einer professionellen Organisation.
In deren Rahmen passte die Übergabe des Pro Aero-Anerkennungspreises 2018 an die Fliegerfamilie
des Birrfelder Piloten Max Vogelsang ausgezeichnet. Ein verdienter Lohn für das Lebenswerk einer Familie, die sich der Fliegerei verschrieben hat (Seite 21).

Nicht minder professionell ging ein hochkarätiger Modellflugsportanlass im Haslital über die Bühne (Seite 18). Die FAI Scale Weltmeisterschaften auf dem Militärflugplatz Meiringen-Unterbach profitierten ebenfalls von perfektem Wetter, denn just auf die Eröffnung hin outete sich Petrus als Modellfluganhänger und unterstützte die Organisatoren während allen Wettkampftagen mit geradezu perfekten meteorologischen Bedingungen. Zu sehen bekamen die Zuschauer Modellflugsport auf höchstem Niveau mit Flugzeugmodellen, die – ausser in der Grösse – kaum von den Originalen zu unterscheiden sind. Die Schweizer Scale-Modellflugpiloten knüpften nahtlos an die Erfolge der Vorjahre an und gewannen insgesamt fünf Medaillen. Hut ab vor dieser Leistung!

Dass der Nachwuchs bereitsteht, in die Fusstapfen der profilierten, erfahrenen Modellflugpiloten zu treten, beweist das Jungtalent Sandro Matti. Der 24-Jährige ist seit seiner Jugend äusserst erfolgreich in der Kategorie Motor-Kunstflug (F3A) unterwegs und wurde von der Stiftung Pro Aero verdientermassen mit dem Förderpreis Nachwuchs ausgezeichnet.

Wussten Sie, dass der Segelflug beinahe zu einer olympischen Disziplin geworden wäre? Beinahe, denn der Zweite Weltkrieg verhinderte die Durchführung der Sommerspiele in Helsinki 1940. Nach dem Krieg begannen die Verhandlungen, leider erfolglos, von vorne. Als Alternative fand 1948 in Samaden ein internationaler Segelflugwettbewerb statt, welcher zwei Jahre später zur Weltmeisterschaft deklariert wurde.

Einen spannenden Einblick in die Historienbücher des Luftsports in der Schweiz erhalten Sie ab Seite 32.

Jürg Wyss
Chefredaktor
AeroRevue

Ausgabe 6/2018

Die Schweiz benötigt ein neues Kampfflugzeug (NKF) und ein integriertes bodengestütztes Luftverteidigungssystem grösserer Reichweite (BODLUV). Zumindest unter den 250 Teilnehmern am Symposium der Gesellschaft der Offiziere der Luftwaffe (AVIA) am 9. Juni im Air Force Center Dübendorf herrschte darüber Einigkeit. Aus gutem Grund, wie die hochkarätigen Referenten aufzeigten. «Was wir heute haben, ist veraltet oder wird es bald sein», unterstrich etwa Christian Catrina, Delegierter des VBS für das Programm «Air2030 – Schutz des Luftraums». In der Tat: In 12 Jahren erreichen die Kampfflugzeuge des Typs F/A-18 das Ende ihrer Nutzungsdauer und die noch verbleibenden Tiger F-5 sind bereits heute nur tagsüber und bei guten Sichtverhältnissen für den Luftpolizeidienst einsetzbar. Bei den Systemen der bodengestützten Luftverteidigung (Bodluv) besteht bei der grösseren Reichweite seit Längerem eine Lücke. Kein Wunder, haben sich am Rande des Symposiums zahlreiche Anbieter präsentiert und ihre Produkte vorgestellt (Seite 4).

Die Informationskampagnen zur Erneuerung der Mittel zum Schutz des Luftraums wurden lanciert. Die Lehren aus der verlorenen Abstimmung vom Mai 2014 über die Gripen-Finanzierung wurden offensichtlich gezogen. Die AVIA hat mit diesem Symposium ein Zeichen gesetzt: informieren über mögliche Bedrohungen und aufzeigen, wie diesen zu begegnen wäre. Erklären komplexer Zusammenhänge vernetzter Luftoperationen und von Anforderungen an eine zukünftige «Airpower». Dazu gehörten die Ausführungen von Colonel Anders Persson, Head of Air Force Department der Schwedischen Luftwaffe. Seine Erläuterungen zu den Scheinangriffen russischer Fighter und Bomber auf die schwedische Insel Gotland und auf strategische Ziele bei Stockholm zeigten auf, mit welchen Bedrohungen sich das neutrale Land real auseinandersetzen muss und wie es auf das Kratzen an der Sicherheitsordnung im nördlichen Europa reagierte – nämlich mit massiver Aufrüstung.

Das Machtgefüge der Welt ist derzeit in Bewegung. Machtpolitik gewinnt wieder an Bedeutung. Armeen erhöhen ihre Rüstungsausgaben. Die Rhetorik hat sich verschärft. Man spricht heute wieder eine ähnliche Sprache wie zu Zeiten des Kalten Kriegs. Oder wie es Historiker und Journalist Michael Stürmer in der «Welt» ausdrückte: «Eine Zeit der Stürme hat begonnen. Es weht kalt herein.» Divisionär Claude Meier, Chef des Armeestabs, mahnte am Symposium: «Sicherheit ermöglicht Freiheit und eine erfolgreiche Wirtschaft. Aber sie ist nicht selbstverständlich.»

Jürg Wyss
Chefredaktor
AeroRevue

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