Ausgabe 11/2018

SAC-Hüttenwarte sind Gastgeber der Berge. Sie sorgen dafür, dass Wanderer und Bergsteiger eine warme Mahlzeit und ein frischgemachtes Bett bekommen. So beschreibt der TV-Sender SRF im Porträt des Sendeformats «SRF bi de Lüt – Hüttengeschichten» die Aufgabe der SAC-Hüttenwarte. Die Sendung taucht ein in das Alltagsleben derselben und bringt uns die Ansprüche der Touristen und Gäste näher. Der Aufwand an Kameratechnik und Material ist laut SRF minimal, es seien nicht immer Helikopterflüge möglich. Kürzlich stellte ein Boulevardmedium fest, dass sich zu den «Monsterarbeitstagen» der Hüttenwarte immer wieder Frust geselle. Zum Beispiel dann, «...wenn Wanderer ihren privaten Müll bei mir in der Küche abgeben wollen», wie eine Hüttenwartin zitiert wird. Doch es genüge dann, zu erklären, «dass wir einen Helikopter bezahlen müssen, um den ganzen Abfall wieder ins Tal zu fliegen (...).»

Bergtourismus und Helikopter: ein Widerspruch? Oder eine Frage der Perspektive, der Wahrnehmung? Wahrnehmung bezeichnet man als Prozess und als Ergebnis der Informationsgewinnung und -verarbeitung von Reizen aus der Umwelt und dem Körperinnern. Das geschieht durch unbewusstes und manchmal bewusstes Filtern und Zusammenführen von Teil-Informationen zu subjektiv sinnvollen Gesamteindrücken. Von selektiver Wahrnehmung spricht man, wenn ein Mensch bestimmte Informationen ausfiltert. Er nimmt nur noch das wahr, was er glaubt, darin zu erkennen; anderes wird ausgeblendet.

Selektive Wahrnehmung trifft man in der Luftfahrt und speziell in der Helikopterfliegerei oft an. Flüge, um Hütten für Bergtouristen zu versorgen, ja – Fluglärm in den Bergen nein. In den Hütten Abfall produzieren und diesen im Helikopter entsorgen ja – «Heli-Wandern» nein. Landeplätze bei den Hütten ja – Gebirgslandeplätze nein. Helikopterflüge für Fernsehserien ja – Training von Helikopterpiloten im Gebirge nein. Lastentransporte ja – Touristen-transporte nein.

Der Fairness halber seien zwei Bemerkungen hinzugefügt. Erstens: Auch Aviatiker unterliegen bisweilen diesem Wahrnehmungs-Phänomen. Zweitens: Inhalte und Qualitäten einer Wahrnehmung können durch gezielte Steuerung der Aufmerksamkeit verändert werden. Man spricht dann von Kommunikationsstrategie. Und neuerdings von Fake-News.

Ausgabe 10/2018

«Dräcksloch.» Ein Pilot der Swiss hat mit seiner Schimpftirade über die zeitweiligen Zustände am Flughafen Zürich erreicht, wovon Blogger, Twitterer und Möchtegern--Promis nur träumen können: Berühmtheit, um nicht zu sagen Kultstatus. Ihm gehörten, zumindest für ein paar Tage, die Sympathien der Öffentlichkeit. Denn der Pilot sprach in aller Deutlichkeit aus, worunter viele leiden: Verspätungen haben sich am Flughafen Zürich zu einem mittlerweile bemühenden Dauerzustand entwickelt. Zu Lasten der Fluggesellschaften, der Passagiere, des Flughafens, der Flugsicherung – und der Piloten. Einer von ihnen verschaffte nun seinem Ärger darüber Luft – und die «ganze Welt» erfuhr es. «Cool, ich mag den Kerl», lautet der Tenor in Kommentaren der Online-Medien; -einige wenige bezeichnen sein Verhalten als unprofessionell. Wie dem auch sei: Dem Pilotenberuf hat es nicht geschadet, im Gegenteil. Der Vorfall liess den Pilot für einmal in einem anderen Licht erscheinen, nämlich als ein Mensch, der auch mal -eine Regung zeigen darf.  

Dass der Pilotenberuf – ja generell Berufe in der Luftfahrt – nach wie vor hoch im Kurs sind, bewies der 2. Aviation Youth Congress der Stiftung Pro Aero und der Aerosuisse (Beitrag Seite 32). Auf die Ausschreibung hin meldeten sich sage und schreibe 380 Jugendliche. Rund 20 Unternehmen und -Organisationen präsentierten sich und ihre Angebote für eine Karriere in der Aviatik. Sie taten das ausgezeichnet, kompetent und kreativ. Das war Nach-wuchs-förderung von der besten Seite; interessant, emotional, umfassend, informativ und hervorragend organisiert. Weiter so! kann man da nur -sagen.

Gesucht sind auch immer wieder Fluglehrer. Dass diese Aufgabe überaus reizvoll ist, zeigt der Weiterbildungskurs des Motorflug-Verbandes der Schweiz für Fluglehrer (Seite 18). Während einiger Tage waren diese mit drei Flugzeugen im Ausland unterwegs und vertieften dabei unter anderem ihr flugtaktisches Wissen. Wissen, welches sie dereinst an ihre Flugschüler weitergeben werden. Wer weiss: Vielleicht sitzt dann einer der 380 Jugendlichen am Steuerknüppel.

Ausgabe 9/2018

Dieser Ausgabe der AeroRevue ist die Sonderausgabe «Beruf Pilot» beigelegt. Aus gutem Grund: Weltweit herrscht ein Mangel an qualifizierten Piloten. Das prognostizierte Luftverkehrswachstum
und damit verbunden der Anstieg der weltweiten Flugzeugflotte wird in den nächsten 20 Jahren laut aktuellen Studien zu einem Bedarf an 635 000 neuen Verkehrspiloten führen, 146 000 davon in Europa. Nicht eingerechnet: die Geschäftsluftfahrt. Dafür sieht Boeing einen Bedarf von 96 000 Piloten, für den Bereich Helikopter weitere 59 000. Im Magazin «Rundschau» der Pilotenverbände Aeropers und SwissAlpa titelte Dominik Haug seinen Beitrag zur aktuellen Situation mit «Piloten – von Massen- zur Mangelware».

Für unser Land ist es von existenzieller Bedeutung, zur Aufrechterhaltung eines funktionierenden Luftverkehrs auf qualifizierte, hervorragend ausgebildete Fachkräfte hiesiger Provenienz zurückgreifen zu können. Passagiere vertrauen darauf, dass die Piloten ihren Job professionell erledigen und das Flugzeug sicher zum Ziel fliegen. Konnte man in den letzten Jahren den Bedarf mit Zuwanderung noch abdecken, stellt sich angesichts des länderübergreifenden Pilotenmangels nun die Frage: Wer soll künftig die Flugzeuge mit Schweizer Kreuz am Heck noch pilotieren, wenn auch der Nachwuchs fehlt?

Fluggesellschaften wissen: fehlende Crews könnten dereinst ihr Wachstum hemmen. Deshalb haben einige begonnen, die Rahmenbedingungen für eine Ausbildung attraktiver zu gestalten im Wissen darum, dass der Bewerbermarkt heute anspruchsvoll ist. Pilot ist nur ein möglicher von vielen Berufen. Wer künftig beim Werben um die besten Talente mithalten will, muss mehr bieten. Flugschulen und Fluggesellschaften tun deshalb gut daran, sich und ihr Angebot für den Nachwuchs attraktiver zu machen.

Ich bin überzeugt: Der Wunsch, Pilot zu werden, ist bei vielen jungen Menschen nach wie vor vorhanden. Ist der Beruf erstrebenswert und sind die Arbeitsbedingungen interessant, kommt auch der Nachwuchs wieder. Nur muss dann möglicherweise auch der Anbieter das Assessment des Kandidaten überstehen...

Jürg Wyss
Chefredaktor

Special - Beruf Pilot

Ja, man erinnert sich ein Leben lang an sie, an jene Momente, die sich tief in das Gedächtnis eines Piloten einbrennen. Etwa wenn man spürt, wie das Flugzeug auf die ersten eigenen, noch zaghaften Steuerbewegungen reagiert. Oder das überwältigende Erlebnis des ersten Alleinfluges. Sie lösen einmalige und unvergleichliche Gefühle aus. Unvergesslich auch der erste Navigationsflug, allein im Cockpit, auf sich selber angewiesen, ohne Fluglehrer an der Seite. Fragen Sie einen Piloten, was ihm die Fliegerei bietet. Er wird viel zu erzählen wissen: Erlebnisse, Geschichten, Momente, die exakt jene Faszination ausdrücken, wovon viele Menschen träumen. Abheben, die Erde verlassen, den Himmel erobern, die Welt von oben betrachten, losgelöst von allem Irdischen. Das ist Fliegen.

Doch Fliegen ist mehr. Fliegen fordert auch heraus. Piloten, egal auf welcher Stufe, müssen entscheiden und verantworten. Verlangt sind Konsequenz und Flexibilität, Disziplin und Zuverlässigkeit, Grenzen zu erkennen und Fähigkeiten und Kenntnisse auch unter erschwerten Bedingungen und in Notfällen richtig anzuwenden. Heroismus, Furchtlosigkeit, Kühnheit, Wagemut hingegen haben beim Fliegen keinen Platz. Notwendig sind eine richtige Einstellung und das Streben nach optimaler Leistung zu jeder Zeit. Einen guten Piloten zeichnet aus, dass er mögliche Gefahren durch Voraussicht und ständiges Aufrechterhalten des Situationsbewusstseins antizipiert. Er plant voraus, berücksichtigt mögliche Gefahren und setzt Prioritäten. «Good airmanship» zeichnet einen Piloten aus.

Fliegen vermittelt Freude und Befriedigung. Technik und Natur lassen sich im Einklang erleben. Weiterführende Ausbildungen wie Kunstflug, Gletscherflug, Navigationsflüge ins Ausland oder gar Instrumentenflug bieten Privatpiloten neue Herausforderungen, erweitern den Horizont. Segelflugpiloten wiederum erfahren sportliche, mentale Herausforderungen. Mit der Natur und ohne Motorenhilfe möglichst schnell oder möglichst lange zu fliegen, bedeutet Höchstleistungen zu erbringen.

In der Freizeit zu fliegen ist das eine. Wer mehr will, macht sich das Fliegen zum Beruf. Die Anforderungen im heutigen wirtschaftlichen Umfeld und bedingt durch die technologischen Fortschritte in der Flugzeugführung haben sich im Vergleich zu früher verändert. Geblieben ist die Tatsache, dass die spannende Aufgabe für Generalisten mit hoher Sozialkompetenz nach wie vor Abwechslung und unzählige Herausforderungen bietet. Nein, einen Sonderstatus geniessen Piloten in der heutigen Zeit kaum mehr. Was sie indes leisten, verdient nach wie vor Anerkennung. Vor allem aber haben wohl alle Piloten eines gemeinsam: Sie fliegen fürs Leben gern. Ihr Privileg ist es, diese Leidenschaft Tag für Tag im Beruf erleben zu können.

Fliegen, ob in der Freizeit oder als Beruf, muss kein lebenslanger Traum bleiben. Ihn Realität werden zu lassen bedingt ein hohes persönliches Engagement. Und wenn anfangs die Realität auch fern schien: Tausende haben es geschafft. Ihr erster Schritt nach vorne, ins Cockpit eines Flugzeugs, begann mit dem Glauben an sich selbst und der persönlichen Überzeugung: Ich kann es schaffen! Davon zeugen auch die Pilotenporträts in dieser Sonderausgabe. Sie stehen stellvertretend für zahlreiche Beispiele spannender und faszinierender Pilotenkarrieren. Ihnen ist eines gemeinsam: Sie wollen fliegen, einfach nur fliegen. Der Entscheid zur Ausbildung zum Piloten hat es ihnen möglich gemacht.

Jürg Wyss
Chefredaktor

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