AUSGABE 04/2019

«Order!» John Bercow ist Speaker des Unterhauses im britischen Parlament. Mit seinem Auftreten und lautstarken Eingreifen in die Debatten um den Brexit bringt er die Abgeordneten zur Räson, wenn diese sich gegenseitig ins Wort fallen, ausschweifend parlieren – oder sich gar ereifernd im Ton vergreifen. Mit seinen Ausrufen «Order!» hat Bercow über die Britischen Inseln hinaus Berühmtheit erlangt. Ein Wort genügt ihm, um verstanden zu werden. Seine Standard-Phraseologie zeigt Wirkung. Zweierlei ist mir in diesem Zusammenhang durch den Kopf gegangen. Erstens: Die Standard-Phraseologie hat sich während Jahrzehnten auch im Flugfunk bewährt. Bis 2008 wurde in der Schweiz grösstenteils nur die Radiotelefonie mit Standard Aviation Phraseology angewendet. Piloten konnten die rund 100 Phrasen und die möglichen Antworten lernen, damit die RTF-Prüfung bestehen und anschliessend problemlos mit der Flugsicherung kommunizieren – auch ohne vertiefte Kenntnisse der englischen Sprache. Kurz, verständlich, zielgerichtet, frei von unnötigem Palaver. Dann wurde der Language Proficiency Check (LPC) eingeführt. Bis Ende letzten Jahres konnte in kontrollierten Lufträumen zumindest in der Landessprache (Deutsch, Französisch, Italienisch) geplaudert werden. Nun ist auch das nichts mehr wert. Denn neuerdings gilt überall «English only». Kommunizieren in der Landessprache soll auf kontrollierten Flugplätzen wie Sion, Lugano oder Grenchen nicht mehr erlaubt sein ( siehe Seite 28). Das bringt insbesondere Segelflugpiloten in Bedrängnis. Zweitens: Ab und an wünschte man sich, jemand würde auch bei den Behörden für Ordnung sorgen und im richtigen Moment «Order!» rufen. Nämlich dann, wenn eine neue Vorschrift in Kraft gesetzt werden soll, ohne dass man sich deren Auswirkungen bewusst ist. «English only» ist dabei nur ein Beispiel. Doch eines mit Konsequenzen. Hunderten von Piloten auf kontrollierten Flugplätzen, speziell in der Romandie und im Tessin, welche bisher legal in ihrer Landessprache funken konnten, droht das Grounding, weil sie der englischen Sprache zuwenig mächtig sind. War das der Wille des Gesetzgebers? Nein, war es nicht. Also, wer bringt denn nun die Verantwortlichen zur Räson und ruft endlich «Order!»?

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