Ausgabe 10/ 2017

Das ist Aviatik, wie sie das Fliegerherz höher schlagen lässt. Flügerchilbi Bleienbach, Flüüger-Fäscht Schmerlat, Flugplatzfest St. Stephan, Breitling Sion Airshow, Smartflyer Challenge Grenchen, Modellflug-Meeting Lodrino, Seaplane Meeting Brunnen – allesamt haben diese Veranstaltungen in den vergangenen Wochen Tausende von Menschen angezogen, sie begeistert und aufgezeigt, wie schön, interessant und eindrucksvoll die Aviatik sein kann. Mehr als 50 000 Personen bevölkerten etwa den Flugplatz Sion und liessen sich mitreissen von grandiosen Flugvorführungen. Wir lassen in dieser Ausgabe Bilder sprechen. Sie halten Schönheit und Faszination des Fliegens am besten fest, so wie es an den zahlreichen Veranstaltungen zu sehen war. Lassen auch Sie sich verzaubern. Für nicht minder positive Schlagzeilen sorgte der Luftsport. Allen voran die Ballonfahrer. Das Gordon Bennett Race begeisterte rund um den Aérodrome de la Gruyère die Massen und sorgte mit dem Start zum härtesten Gasballonrennen der Welt für Emotionen inmitten einer wunderschönen Szenerie (Seite 32). Und mit dem Gewinn der Silbermedaille zeigten die Schweizer Ballonfahrer Kurt Frieden und Pascal Witprächtiger, dass sie den Anerkennungspreis der Stiftung Pro Aero für ausserordentliche Leistungen in der Schweizer Luftfahrt verdientermassen überreicht erhielten (Seite 34). Doch auch die Heissluftballonfahrer sorgten an der Weltmeisterschaft für einen Grosserfolg: Mit Gold und Bronze liessen die Cracks Stefan Zeberli und Roman Hugi keinen Zweifel daran offen, dass die Schweiz derzeit die Ballonfahrernation Nummer eins ist (Seite 40). Den Erfolgen der Ballonfahrer wollten die Motorflugpiloten nicht nachstehen: Mit dem Gewinn der Silbermedaille sorgte das Schweizer Präzisionsflug-Team Esther Rimensberger und Werner Unold sozusagen für eine perfekte «Ziellandung» an der WM in Spanien – notabene in der Disziplin des punktgenauen Landens. Die vorliegende Ausgabe der AeroRevue ist ganz den schönen Seiten der Schweizer Aviatik gewidmet. Und das hat sie nach den Rückschlägen in der Vergangenheit fürwahr verdient. 

Jürg Wyss
Chefredaktor
AeroRevue

Ausgabe 9/ 2017

Bunt ist sie, diese erste Ausgabe der AeroRevue nach der Sommerpause. Sie widerspiegelt die zahlreichen Facetten der Luftfahrt. Vom Fly-In über Freefly Festivals, Modellfliegen mit der ganzen Familie, Nachwuchsförderung im Ballonsport, der Schweizermeisterschaft der jungen Segelflieger bis hin zu Technik und Forschung: Dies und noch viel mehr finden Sie in dieser druckfrischen AeroRevue. Allein: Zur Palette dieses «Farbkastens» gehören auch dunkle Töne. So sicher er heutzutage ist, dieser Realität gewordene Traum des Menschen, sich von seiner Erdgebundenheit zu lösen, die (technischen) Flügel auszubreiten und sich in die Höhe hinaufzuschwingen: Ein Restrisiko bleibt. Das manifestierte sich im August auf besonders beklagenswerte Weise. Die Leichtaviatik in der Schweiz hatte allein im vergangenen Monat Flugunfälle mit mehreren Todesopfern zu verkraften; darunter jener Unfall, der sich anlässlich des JULA ereignet hat. Seite 13 ist den beiden Jugendlichen und dem Piloten gewidmet, die dabei ihr Leben verloren haben. Aero-Club-Präsident Matthias Samuel Jauslin betrachtet das Thema Flugsicherheit und die Teilaspekte  «Flugvorbereitung» und «human performance» in seinem «Seitenblick» (35) aus übergeordneter Perspektive, denkwürdig übertitelt mit den Worten «Die Freiheit ist nicht grenzenlos». Die SUST wird sich in den kommenden Monaten und Jahren mit diesen Unfällen befassen, sie analysieren und nach Ursachen suchen. Unabhängig davon dürfen Fragen, die Flugunfälle aufwerfen, nicht unbeantwortet bleiben, sollen daraus Lehren gezogen werden können. Und die Unfalldichte im August wirft verständlicherweise Fragen auf. Auf diese nicht nur eine Antwort, sondern, wenn angezeigt, auch Lösungsansätze zu finden, wird unter anderem Aufgabe von verantwortlichen und ausbildenden Instanzen sein. An jedem einzelnen Luftraumbenutzer schliesslich liegt es, seine Verantwortung als Flugzeugführer in hohem Mass wahrzunehmen und umsichtig zu agieren. Allen jenen Menschen, die bei der Ausübung ihrer Leidenschaft ihr Leben verloren haben, sei zum Geleit auf ihrem letzten Flug der Ausschnitt aus der «Mondnacht» von Joseph Freiherr von Eichendorff gewidmet: «Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus, flog durch die stillen Lande, als flöge sie nach Haus.»

Jürg Wyss
Chefredaktor
AeroRevue

 

Ausgabe 7 + 8/ 2017

Aus meinem Bekanntenkreis kenne ich zwei Personen, die auf den Tag genau gleich alt sind wie ich. Einer davon ist Daniel Weder, der scheidende CEO von Skyguide. Mit einem Augenzwinkern hat Daniel Weder angesichts des bevorstehenden runden Geburtstags diesen Frühling zu mir gesagt: «Dass wir beide 60 werden, verkrafte ich. Aber weisst Du, was mich mag? Meine Haare sind grauer als deine.» Nun Daniel, graue Haare sind eine Krone der Ehren, die auf dem Wege der Gerechtigkeit gefunden wird – ein Weg, den Du immer gesucht und auch eingeschlagen hast. So stelle ich neidlos fest: Die Krone steht Dir prächtig, diese Ehre hast Du Dir wahrlich verdient – ich hingegen arbeite noch daran... Dort, wo Daniel Weder seine Skyguide-Karriere beendete, fand vor 80 Jahren ein Flugmeeting statt. In der letzten Juliwoche des Jahres 1937 traf sich auf dem Flugplatz Dübendorf alles, was Rang und Namen in der zivilen wie militärischen Luftfahrt, in der Diplomatie, Politik und im Militär hatte. Es war ein Fliegertreffen der Superlative, wie der Beitrag auf Seite 28 dokumentiert. Die Besucherzahlen verblüffen: 1937 zählte das Flugmeeting rund 230 000 Besucher – jeder 18. Schweizer pilgerte im Verhältnis zur damaligen Einwohnerzahl nach Dübendorf. Umgerechnet auf das Jahr 2014, dem Jahr der AIR14 in Payerne, wäre es jeder 20. Schweizer gewesen. Fazit: Ob vor 80 oder vor drei Jahren, die Faszination Fliegen vermochte, und vermag es noch heute, Abertausende von Menschen in ihren Bann zu ziehen. Das nächste grosse Flugmeeting, die Breitling Sion Airshow, findet vom 15. bis 17. September im Wallis statt. Zehntausende Zuschauer werden erwartet (siehe Vorschau Seite 22). Sie werden ihre Blicke fasziniert gen Himmel richten und die Vorführungen der «tollkühnen» Piloten verfolgen. So wie damals vor 80 Jahren in Dübendorf. Ein damals fünfjähriger Besucher – er verstarb letztes Jahr – erinnerte sich sein Leben lang an «das weite Flugfeld, die vielen Menschen und ganz besonders an den Geruch der damaligen Flugzeuge. Dieser Geruch hat sich tief eingeprägt. Es war eine Mischung von Farbe, Gummi, Motorenöl und Benzin. Unverwechselbar!»

Jürg Wyss
Chefredaktor
AeroRevue

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Ausgabe 06/ 2017

Vor 90 Jahren, am 20. und 21. Mai 1927, gelang Charles Augustus Lindbergh Jr. jener Nonstopflug von New York nach Paris, der ihm Ruhm und Ehre einbrachte und der zivilen Luftfahrt nachhaltige Impulse verlieh (lesen Sie den Hintergrundbeitrag ab Seite 10 in dieser Ausgabe). Freilich: Lindbergh ist nicht als Erster über den Atlantik geflogen, auch nicht als Erster ohne Zwischenstopps. Dieser Ruhm gebührt eigentlich zwei Briten. Bereits im Juni 1919 flogen der Pilot John Alcock und der Navigator Arthur Whitten Brown mit ihrem Doppeldecker von Neufundland nach Irland. Allerdings nahm damals kaum jemand Notiz von ihrer Leistung. Lindbergh hingegen flog als erster allein über den Ozean; und das war eine Leistung, die ungeheuren Eindruck machte. Zudem legte er mit seiner fast 6000 Kilometer langen Route zwischen New York und Paris gegenüber seinen Vorgängern eine deutlich längere Strecke zurück. Eine bemerkenswerte Pionierleistung war Lindberghs Flug also in jedem Fall. Und zuweilen lässt es sich auch nicht mehr schlüssig rekonstruieren, weshalb von zweien, die mehr oder weniger dasselbe tun, nur einer Beachtung findet. Lindbergh vollbrachte seine Leistung vielleicht einfach auch nur zum richtigen Zeitpunkt – als Medien und Öffentlichkeit bereit waren für den ersten grossen Hype. Und gleichzeitig war der gutaus sehende, zurückhaltende Lindbergh wie geschaffen für die Rolle des Helden. Doch dieser wollte eine Mission erfüllen: Als die Fliegerei noch als Spektakel galt, erkannte er bereits, dass der Fort schritt die kommerzielle Nutzung der Luftfahrt möglich machen würde. Und dafür setzte er sich leidenschaftlich ein. «Ohne die beispiellose Risikobereitschaft dieses Pioniers hätten wir den unglaublichen Fortschritt, den wir heute in der Luftfahrt erlangt haben, sicherlich nicht so schnell erreicht», urteilt Robert Salzl, der mehrere Jahre lang Chefpilot der Deutschen Lufthansa war. Und der Weltrekord- Segelflieger Hans-Werner Grosse sagte einmal, Lindbergh habe «die Begeisterung der Menschen für die Fliegerei geweckt», . Über spitzt formuliert trifft wohl folgender Aphorismus die Sache im Kern: «Charles Lindbergh war der erste Mensch, der den Atlantik im Alleinflug überquerte – und der letzte, der gleichzeitig mit seinem Gepäck angekommen ist …»

Patricia Andrighetto
Redaktorin
AeroRevue

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